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Krankenhausapotheker für mehr Patientensicherheit

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker unterstützt die europäische Initiative für mehr Patientensicherheit.

Im April 2006 veröffentlichte die Generaldirektion für Gesundheit und Konsumentenschutz der EU die Luxemburger Deklaration zur Patientensicherheit.

Patientensicherheit wird darin zu einem hochrangigen Thema in der Agenda der EU erklärt: Der Gesundheitssektor ist ein Hochrisikobereich, weil unerwünschte Auswirkungen von Behandlungen zu Tod, schwerwiegenden Schädigungen, Komplikationen und menschlichem Leid führen können.

Patientensicherheit ist selbstverständlich auch heute schon ein wichtiges Anliegen. Dennoch ist feststellbar, dass der Gesundheitsbereich im Hinblick auf systematische Maßnahmen zur Risikominimierung deutlich hinter der Industrie und anderen Dienstleistungssektoren zurückliegt.

Neue Fehlerkultur

In einem traditionellen Verständnis von Fehler-(Un)-Kultur geht es nach dem Auftreten eines Fehlers primär darum, zu vertuschen und ggf. einen Schuldigen als „Sündenbock“ zu finden. Ergebnisse der Fehlerforschung belegen, dass Fehler –abgesehen von Fahrlässigkeit oder mutwilligem Fehlverhalten - vielfach nicht auf ein individuelles Versagen, sondern auf organisatorische Mängel zurückzuführen sind. Diesen ist aber nur mit einer neuen Fehlerkultur (no blame culture) beizukommen. Ziel ist es, aus Fehlern und Beinahe-Fehlern (near misses) zu lernen und so das Gesundheitssystem noch sicherer zu machen. Dazu werden geeignete Fehlermeldesysteme (z.B.: critical incidence reporting system/CIRS) und Analyseninstrumente benötigt.

Risikofaktor Arzneimittel

Bei den medizinischen Fehlern (medicinal errrors) spielen die Medikationsfehler (medication errrors) eine dominante Rolle, wie durch zahlreiche Untersuchungen belegt ist. Medikationsfehler finden vor allem bei der Verschreibung und bei der Verabreichung statt. Insbesonders bei der parenteralen Verabreichung von Arzneimitteln, treten gehäuft lebensbedrohliche Fehler oder Beinahe-Fehler auf.

Der Arzt im Cockpit

Der Arzt im Krankenhaus gleicht heute vielfach noch einem Pionier der Luftfahrt im Zeitalter von Düsenjet und Autopilot. Schwerwiegende Therapieentscheidungen müssen basierend auf Erfahrung mithilfe einfachster Mittel, wie handschriftlicher Notizen, unter großem Zeitdruck getroffen werden.

Elektronische Expertensysteme werden ärztliche Erfahrung nie ersetzen können. Aber sie unterstützen den Arzt dabei, aus der unübersehbaren Fülle des medizinischen Wissens rasch die entscheidenden Informationen herauszufiltern und leisten so einen wesentlichen Beitrag zu mehr Patientensicherheit.

Bei der Verordnung von Medikamenten lässt sich durch eine elektronische Verschreibungssoftware (computerized prescriber order entry/CPOE) prüfen, ob die Kombination mehrerer Arzneimittel zu gefährlichen Wechselwirkungen führt. Das Expertensystem prüft auch, ob die Dosis korrekt gewählt wurde oder, ob beispielsweise aufgrund einer Nierenfunktionsstörung eine Dosisreduktion vorgenommen werden muss.

Scanning for Safety

Was im Supermarkt um die Ecke geht, geht auch im Krankenhaus. Der Einsatz von Barcode-Technologie kann entscheidend dazu beitragen, Fehler durch Verwechslungen zu vermeiden. Bei der Verabreichung von Arzneimitteln läuft das folgendermaßen ab: Zuerst wird das Barcode-Armband des Patienten gescannt und dann der mit einem Barcode versehene Einzeldosisbehälter des Arzneimittels (unit dose). Ein Computersystem vergleicht die Daten mit der ärztlichen Anordnung und stellt sicher, dass der richtige Patient die richtigen Medikamente erhält. Zugleich wird dabei auch eine perfekte Dokumentation für die Krankengeschichte und für Verrechnungszwecke erstellt.

Unit Dose

Das Bindeglied zwischen elektronisch unterstützter Verschreibung und Verabreichung unter Scannerunterstützung heißt Unit Dose-System: Die Krankenhausapotheke liefert die aktuell benötigten Medikamente patientenbezogen in Form von Einzeldosen.

Die Pflege wird dadurch von der zeitaufwändigen und fehleranfälligen Tätigkeit des „Stellens“ der Arzneimittel in den Patientendosettes entlastet. Der Arzneimittelvorrat auf der Station kann drastisch reduziert werden. Kapitalbindung, Verfall und Schwund werden minimiert.

Patientenorientierte Pharmazie

Die Krankenhausapothekerin als Berater für Arzt, Pflegepersonal und Patient ist, wie Studien belegen, ein weiteres wichtiges Element zur Fehlervermeidung und Qualitätsoptimierung bei der Arzneimitteltherapie.

Krankenhausapotheker für mehr Patientensicherheit

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Krankenhausapotheker appelliert daher an alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, durch geeignete Maßnahmen zu mehr Patientensicherheit beizutragen. Derartige Maßnahmen sind beispielsweise:

Förderung einer neuen Fehlerkultur und Etablierung von Fehlermeldesystemen

Förderung des Einsatzes von medizinischen Expertensystemen und elektronischer Verschreibungssoftware

Förderung des Einsatzes von Barcode-Technologie und Unit Dose-Systemen

Förderung von Aktivitäten in patientenorientierter Pharmazie.

           

Quellen und Zitate:

European Commission - DG Health and Consumer Protection:
Luxembourg Declaration on Patient Safety

„To optimise the use of new technologies, for example, by introducing electronic patient records. Such records would include the personal medical profile and decision-making support programs for health professionals with a view to reducing medication errors and increasing compliance rates.“

Daniel Grandt, Henning Friebel, Bruno Müller-Oerlinghausen
Arzneitherapie(un)sicherheit: Notwendige Schritte zur Verbesserung der Patientensicherheit bei medikamentöser Therapie.
Deutsches Ärzteblatt Jg. 102 Heft 8 25. Februar 2005

„Studien belegen, dass elektronische Verordnungsunterstützung die Häufigkeit von Verordnungsfehlern und UAW verringern kann (5).Voraussetzung ist, dass der Arzt die Medikation nicht mehr handschriftlich, sondern elektronisch verordnet (Computerized Physician Order Entry System, CPOES). Ein Expertenkreis in den USA hält dies für eine entscheidende Voraussetzung zur Verringerung von UAW (54). In Dänemark ist ab 2006 die Computererfassung der Medikation jedes Patienten im Krankenhaus gesetzlich vorgeschrieben (9). In Deutschland soll die elektronische Verordnung mit der Gesundheitskarte 2006 im ambulanten Bereich Realität werden. Elektronische Verordnungen machen es möglich, dem Arzt relevante Informationen zum Verordnungszeitpunkt zeiteffizient zugänglich zu machen und die Übereinstimmung mit hinterlegten Verordnungsregeln zu überprüfen. Die elektronische Verordnung kann mögliche Interaktionen identifizieren, Hinweise zur Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz oder bei älteren Patienten geben, bei Dosisberechnungen unterstützen und auf ungewöhnliche Applikationsfrequenz oder Dosierung hinweisen (5). Der Arzt, nicht das Programm entscheidet über die Verordnung, aber die direkte Rückmeldung zum Verordnungszeitpunkt hilft dem Arzt, Fehler abzufangen, bevor sie den Patienten erreichen.“

Crowley C; Scott D; Duggan C; Whittlesea CM
Descibing the freqency of iv medication preparation and administration errors
Hospital Pharmacist 11 (2004) 330-336.

„The pharmacy profession is particularely interested in events amenable to prevention, i.e. preventable and potential adverse drug events. Many of these (38 %) were found at the administration stage, a similar proportion to those detected at prescibing (39%). These data were collected from all routes of medicines administration – the number resulting from the IV route may be different. For example, one study found that up to 60% of serious life-threatening potential adverse events in the US arise from IV therapy.“

 

 

 

 

 

von Thomas Langebner Dr., bearbeitet am 01.05.2007